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Das Gute ist, dass wir die Bibel haben und auch praktische Anweisungen von Gott selbst bekommen. Mir sind da ein paar Punkte deutlich geworden. Darum möchte ich einen Text lesen, der mich ermutigt und auffordert. Eine ganz bekannte Geschichte von einem aus einer anderen Kultur. Ich lese aus Apostelgeschichte 8, 26-37: „Ein Engel des Herrn aber redete zu Philippus und sprach: Stehe auf und gehe nach Süden, auf dem Weg, der von Jerusalem nach Gaza hinabführt; der ist öde. Und er stand auf und ging hin. Und siehe, ein Äthiopier, ein Kämmerer, ein Gewaltiger der Kandake, der Königin der Äthiopier, der über ihren ganzen Schatz gesetzt war, war gekommen, um zu Jerusalem anzubeten; und er war auf der Rückkehr und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja. Der Geist aber sprach zu Philippus: Tritt hinzu und schließe dich diesem Wagen an! Philippus aber lief hinzu und hörte ihn den Propheten Jesaja lesen und sprach: Verstehst Du auch, was du liest? Er aber sprach: Wie könnte ich denn, wenn nicht jemand mich anleitet? Und er bat den Philippus, dass er aufsteige und sich zu ihm setze. Die Stelle der Schrift aber, die er las, war diese: „Er wurde wie ein Schaf zur Schlachtung geführt, und wie ein Lamm stumm ist vor seinem Scherer, so tut er seinen Mund nicht auf. In seiner Erniedrigung wurde sein Gericht weggenommen. Wer aber wird sein Geschlecht beschreiben? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen.“ Der Kämmerer aber antwortete dem Philippus und sprach: Ich bitte dich, von wem sagt der Prophet dies? Von sich selbst oder von einem anderen? Philippus aber tat seinen Mund auf und fing mit dieser Schrift an und verkündigte ihm das Evangelium von Jesus. Als sie aber auf dem Weg fortzogen, kamen sie an ein Wasser. Und der Kämmerer spricht: Siehe, da ist Wasser! Was hindert mich, getauft zu werden? Wir haben es hier mit Philippus zu tun, einem Almosenpfleger aus Jerusalem. Er war ein ganz normaler Familienvater. Er hatte vier Töchter. Wahrscheinlich besaß er auch ein Haus. Er war kein großer Evangelist, der überall durch die Welt gezogen ist, sondern war ein Familienvater. Aber was an dieser Geschichte auffällt, ist, dass er auf Gott hört. Er hört, als Gott zu ihm sagt: Geh auf die Straße. Und er kennt die Stimme Gottes. Für mich drückt das so eine Verbindung aus zwischen dem Philippus und seinem Gott. Er achtet auf das, was Gott sagt. Für mich in meinem persönlichen Leben ist das immer wieder die Frage: Wie viel achte ich auf das, was Gott mir sagt? Oder mache ich so mein eigenes Ding? Wie sieht meine Beziehung zu Gott aus? Wie erlebe ich Gott? Ich kann für mich sagen, ich habe so einen ungeheuren Schatz in mir, dass ich weiß: Ich bin geliebt. Ich bin wert. Ich bin von Gott erlöst. Mir ist vergeben. Das begeistert mich immer wieder neu, dass ich das so glauben darf, weil ich gar nicht weiß, warum eigentlich. Das kann ich oft gar nicht verstehen. Aber ich habe eine Beziehung zu Gott. Dieser Philippus hatte diese Beziehung. Gott schickt ihn in die Öde. Und er ist gehorsam. Er stellt nicht die Frage: „Gott, nun gib mir mal ein bisschen genauere Anweisungen. Was wird mir da begegnen?“ Vielleicht stellt ihr euch manchmal die Frage: „Warum ausgerechnet dieser Stadtteil?“ Oder: „Warum sitze ich jetzt als Mama mit Kind zu Hause?“ Oder: „Warum diese Arbeitsstelle?“ Ich glaube, wir fragen oft nach: „Was sollen wir tun?“ und „Was ist unser Verdienst?“ und „Wie sollen wir genau vorgehen? Gott, gib uns schon mal ein bisschen deutlichere Anweisungen, dann gehe ich los.“ Das Faszinierende an Philippus ist, dass er hört und geht. Er vertraut. Ich weiß nicht, ob
ihr die Geschichte kennt, von einem Mann, der in seinem Auto saß und
Gott ihm sagte: „Geh an diese Telefonzelle und mache einen Kopfstand.“
So ähnlich war das mit Philippus: „Geh in die Öde und warte einfach nur
ab, was passiert.“ Dieser Mann machte einen Kopfstand an der
Telefonzelle und es fuhr einer vorbei, der sich bekehrte. Das Geheimnis
dieses Mannes, der da vorbeifuhr, war: Er hatte vorher zu Gott gesagt:
„Gott, wenn es Dich gibt, will ich jemanden auf dem Kopf stehen sehen.“
Und tatsächlich, genau in diesem Moment stand jemand auf dem Kopf, vor
der Telefonzelle. Das erinnert mich an diesen Philippus. Das ist klasse,
oder? Dann haben wir da diesen Äthiopier, diesen Diener, einer aus einer anderen Kultur, ein Sohn der Sonne. Er hatte von Gott gehört. Er liest da in dieser Jesaja-Schriftrolle und versteht überhaupt nichts. Er ist ein Ausländer und denkt ganz anders. Vielleicht fragen wir uns: „Wie, bitte, soll da eine Ebene entstehen? Wie soll da ein Gespräch entstehen.“ Und man könnte meinen, Philippus würde die Chance nutzen. Endlich kommt da ein Wagen vorbei und er springt auf und reißt ihm das Buch aus der Hand und sagt: „Hey, ich weiß Bescheid. Du bist verloren, wenn du nicht an den Gott der Bibel glaubst, du armer Sünder.“ Das wäre ganz schön arrogant. Aber Philippus tut das nicht. Er läuft einfach nur mal nebenher. Das ist für mich ein ganz wichtiger Punkt: dieses einfach nur mal nebenher laufen, einfach nur mal da sein, still sein, zuhören. Manchmal ist dieses Nebenherlaufen jahrelang. Da ist die Mutter, die jahrelang für ihren Sohn betet. Oder: in Indien erlebten wir, wie die gleiche Frau sechs Jahre lang kommt, immer für vier Wochen. Wir laden sie jedes Mal zum Essen ein. Es entsteht kein Gespräch über den Glauben, und jetzt vor zwei Jahren kam sie zum ersten Mal zum Gottesdienst. Dieses Jahr war sie immer dabei. Sie erlebt inzwischen auch in Deutschland immer mehr, wie Gott ihr begegnet. Einfach mal nebenher laufen. Zuhören. Ich glaube, dass wir oft ganz schnell diese Tendenz haben, so schnell wie möglich den Menschen unseren Glauben aufzudrücken, weil es uns so unter den Nägeln brennt. Daran ist nichts Verkehrtes dran. Aber manchmal merke ich, wie Gott mir sagt: „Stopp! Jetzt sei erst einmal still und warte ab, bis du gefragt wirst.“ Mich erinnert das an einen Staubsaugervertreter, der neulich zu meiner Mama kam und den Fuß in der Tür hatte und rein kam. Meine Mama sagte: „Ich will gar nichts.“ Aber er kam rein und sagte: „Ich führe Ihnen jetzt diesen Staubsauger vor.“ – „Ich will aber nicht!“ Er jedoch hat einfach den Koffer ausgepackt und angefangen, Staub zu saugen. Meine Mama sagte: „Aber ich will doch gar nichts.“ Ich glaube, oft sind wir genau so. Jetzt endlich haben wir die Chance, und dann kommt die geballte Ladung. Wenn ich jetzt nicht tue, dann verpasse ich eine Chance. Vielleicht denken wir, wir müssen es tun. Wir müssen immer den Leuten das sagen, was wir denken. An diesem Samstag, wo wir bei diesem Meditationskurs waren, haben wir hinterher mit diesem Lehrer geredet. Er hat überhaupt nicht gefragt, was wir denken. Er hat nur uns erzählt, was er denkt. Ich fand das unangenehm. Da können wir wirklich von diesem Philippus lernen, einfach mal nebenherzulaufen und zu warten. Dann sagt er
plötzlich: „Verstehst Du eigentlich, was Du liest?“ Der Kämmerer sagt:
„Wie denn, ich habe ja niemanden, der mir’s erklärt.“ Das ist die
ungeheure Chance für den Philippus, da auf den Wagen zu steigen und ihm
zu antworten. Aber das Wichtigste ist, dass ich in Verbindung mit Gott bleibe und wirklich darauf höre: Was will Gott eigentlich? Wann ist es angesagt? Wann kann ich die Chance nutzen, einzusteigen? Was wir als Lebensgemeinschaft manchmal machen, ist, dass wir uns unsere Bekehrungsgeschichten erzählen. Oder dass wir am Morgen fragen: „Sag mal, was hast Du gestern mit Gott erlebt?“ Oder: „Was ist dir eigentlich wichtig?“ Das ist gut, sich das zu überlegen, denn wir kommen manchmal ganz schnell in Situationen, wo einen einer anspricht und sagt: „Hey, was glaubst Du eigentlich? Was ist eigentlich das Besondere an Jesus?“ Und dann steht man oft so da, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Das ist so umfassend. Er hat halt mein Leben verändert und, ja, das ist super. Wir stottern so rum. Für mich ist das immer wieder eine gute Übung, in kurzen Worten für mich das Evangelium auszudrücken. In Worten, die ein anderer auch wirklich verstehen kann. Philippus hatte die Chance, und er erzählt ihm, um was es geht. Das Ergebnis vom Philippus ist, dass der Kämmerer sagt: „Was hindert’s mich, ich lass mich jetzt taufen.“ Das beginnt in diesem Hören und Gehorsam. Das ist für mich der Startpunkt überhaupt für Evangelisation und Mission. Es ist ein Geheimnis Gottes, dass er uns braucht, um sein Reich zu bauen. Das Ziel Gottes ist, dass der Leib und die Braut wirklich wachsen. Gott sucht den Menschen und wir sind seine Diener. Warum muss man sich dann mit so vielen verschiedenen Weltbildern auseinandersetzen? Ein ganz wichtiger Punkt ist nachzufragen, was der andere denkt und warum er so glaubt. Es gibt mir selbst Sicherheit, wenn ich weiß, ich stehe auf der sicheren Seite. Ihr steht auf der sicheren Seite. Das ist etwas, das mir hilft, wenn jemand mich angreift und sagt: „Wie kannst du so verrückt sein und glauben, was Jesus da erzählt?“ Da muss ich sagen: „Ja, ich bin wirklich in einem anderen Reich. Ich bin im Reich Gottes.“ Wenn Leute Gott nicht haben, dann stehen sie innerlich auf einer anderen Seite. Dann sind sie letztlich im Reich Satans. Ich kann es ihnen nicht ankreiden, dass sie es nicht schnallen, von was ich eigentlich erzähle. Aber ich selber – dadurch, dass ich in der anderen Welt war und Gott mich rausgeholt hat – ich weiß davon. Das macht es mir oft viel einfacher, Menschen anzunehmen und mit Menschen zu reden, weil ich oft gar nicht mehr mit diesem Ansatz gehe: „Warum schnallst du es nicht endlich?“, sondern ich sage, er ist wie verblendet. Und wenn Gott es ihm nicht offenbart, dann wird er es auch nicht verstehen können. Gott muss es tun, so wie diesem jungen Mann mit Evolution und Schöpfung, dass Gott ihm die Augen dafür geöffnet hat. Wir brauchen keine Angst vor Angriffen zu haben. Ich denke oft, wenn Leute sagen: „Wie kannst du nur sagen, Jesus ist der einzige Weg“ – „Das ist nicht meine Idee. Wenn es nach mir geht, ich würde lieber etwas anderes sagen. Aber es ist Gottes Idee. Und da baue ich drauf.“ Was mir immer Mut macht, wenn ich mit Menschen rede: ich muss sie immer wieder gehen lassen. Ich gebe ihnen das Evangelium mit. Aber Gott selbst bewirkt, dass diese Saat aufgeht. Wir können nur Samen streuen und das vielfältig. Ich kann die Bedingungen schaffen. Aber Gott wirkt das Wachstum. Einen Tipp möchte ich noch geben, was ich in meinem Leben zu praktizieren versuche. Mir selbst ist wichtig geworden, wenn ich mit Menschen spreche: ich glaube, es gibt nicht den absoluten Evangelisten oder den Typ, wie man sein muss, wenn man mit Menschen redet. Wir brauchen alle einander. Wir sind alle unterschiedlich. Was ich oft mache, ist, dass ich über den Strand oder durch die Stadt gehe, und mich frage: „Welcher Mensch spricht dich eigentlich an? Mit wem würde ich jetzt gern ins Gespräch kommen?“ Ich schaue mich dann um und denke mir, der sieht nett aus. Oft habe ich dann erlebt, dass ich am Strand sitze und bete: „Mit diesem Menschen, Gott, möchte ich gern reden.“ In diesem Augenblick dreht sich dieser Mensch um, kommt direkt auf mich zu und sagt: „Kannst du mal auf meine Sachen aufpassen?“ Und ich konnte ein Gespräch anfangen. Hört mal in euch hinein, welchen Menschentyp ihr interessant findet. Was spricht euch an. Und dann geht auf die Menschen zu – oder lasst die Menschen auf euch zukommen. Das ist noch viel besser. Das passiert, wenn wir Gott Zeit und Raum geben, zu uns zu sprechen, so wie eben Philippus. Ich muss mich entscheiden, das zu wollen. Ich muss mich entscheiden zu sagen: „Ich will hören, was Gott mir heute sagen will. Ich will mich entscheiden, Zeit zu haben für Menschen.“ Ich kann durch die Stadt rennen und Termine haben. Dann werde ich keinem Menschen begegnen. Aber wenn ich wirklich losrenne und sage: „Heute habe ich Zeit. Heute schaue ich mir die Menschen an“, dann, glaube ich, erlebt man ganz viele Dinge. Zumindest geht es mir so. Ich wünsche mir, dass wir wirklich mehr dieser Momente erleben, wo wir Zeit haben, wo wir uns bewusst dafür entscheiden, und wo Gott echt zu uns reden kann. Aber das ganze beginnt im Gebet. Im Gebet miteinander, für Menschen und aus der Beziehung heraus. Denn ohne Beziehung zu Gott geht überhaupt nichts. In diesem Sinne wünsche ich uns allen, vor allem auch für nächste Woche, ganz viele Begegnungen mit Menschen, denen ihr das weitergeben könnt. Dass ihr diese Erfahrung macht wie Philippus, dass Gott einem sagt, was man tun soll. Betet darum, dass Gott einem diese Menschen oder Situationen gibt. Amen |