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Heute ist das Predigtthema "Der emotionale Jesus". Ich fand das Thema sehr interessant und dann kamen die ersten Leute, die mich gefragt haben: "Was ist denn das Predigtthema?" und dann kamen Reaktionen von "Oh, das ja klasse!" bis - Stirnrunzeln - "Was könnte das wohl sein?", über die irritierte Frage, was ich mir darunter wohl vorstellen würde! Ich hoffe, es wird am Ende klar, was ich mir darunter vorgestellt habe und ihr lasst euch nicht durch diesen Titel irritieren. Wer schon länger Christ ist, wird bestimmt einmal diesen Vers gehört haben: "Freut euch im Herrn allezeit, wiederum sage ich, freuet euch!" Und bestimmt habt ihr auch schon eine Predigt dazu gehört, wie man das schaffen kann, sich immer zu freuen, obwohl man sich - eigentlich - nicht immer freut. Was es nun heißen kann, ob nun das "Freuet euch" sich auf den "im Herrn" oder auf "allezeit" bezieht, oder mehr auf den "im Herrn" und nicht "allezeit" - wie auch immer. Es geht noch ein Stück weiter im Text: "macht euch keine Sorgen und bittet Gott um alles". Dann denke ich, ich hab meine Probleme damit gelöst. Aber Fazit ist: ich freue mich nicht allezeit, ich habe meine Probleme damit, und im schlimmsten Fall bleiben die Schuldgefühle nach. Ich habe doch gehört, ich müsste mich immer freuen, es steht in der Bibel und es müsste doch klappen. Und - nun will ich ja auch als reifer Christ da stehen, lasse normaler Christ da stehen und denke dann: "Na ja, irgendwie kriegen wir das schon hin" und verdränge die Gefühle, die mal nicht so mit Freude zu tun haben, um einfach auch gut dazustehen. Ich versuche das, was nicht Freude ist, aus meinem Alltag zu verdrängen. Aber es klappt nicht. Das einzige, wenn ich auf Dauer immer wieder versuche, Dinge zu verdrängen, die nicht gut sind, was bleibt ist der Frust und nicht die gewünschte Freude. Und dann bleibt doch die Frage: Sind denn wirklich negative Emotionen bei Christen nicht zulässig?
Meiner Meinung nach
ist es auch gar nicht möglich, negative Emotionen, oder Emotionen
allgemein, abzustellen. Und es ist auch nicht gut. Es wird immer auch
Emotionen wie Zorn, Angst, Enttäuschung, Trauer, Frust, Freude, Glück in
meinem Leben geben. Emotionen sind Grundreaktionen meines Körpers,
meines Gehirns, auf Sachen, die ich überlebe, und sie sind meines
Erachtens auch überlebens-not-wendig. Wenn ich Trauer empfinde, dann
muss ich um Dinge trauern, um mit dem Tod fertig zu werden. Ich muss
damit umgehen. Und - Emotionen sind in erster Linie nicht steuerbar für
mich. Ich will das versuchen zu erläutern, was ich mit „nicht steuerbar“
meine: Emotion ist z.B. diese Reaktion im Straßenverkehr. Ich sehe
plötzlich, jemand springt vor mein Auto, meine Herz fängt höher an zu
schlagen - Aufregung - alles ist in Alarmbereitschaft versetzt, so dass
ich bremsen kann, reagieren kann, mein Körper schneller reagieren kann
als vorher. Diese Reaktion ist für mich nicht steuerbar, sie kommt, zum
Teil bevor ich etwas gesehen habe. Mein Körper reagiert einfach auf die
Sache. Oder wie man so schön sprichwörtlich sagt: "Der Schock steckt mir
noch in den Knochen." Es gibt sogar eine körperliche Reaktion darauf.
Oder jemand erzählt mir etwas Unglaubliches und vor Erstaunen bleibt mir
sozusagen "der Mund offen stehen". Auch wer von euch kein Auto fährt hat bestimmt jeder von schon einmal so eine kurze Schockreaktion gehabt. Der Körper reagiert plötzlich auf etwas. Mir ging das mal so im Büro, dass ich dachte: "Oh, Kündigungstermin verschwitzt! Der Vertrag läuft ein Jahr weiter…" Erstmal Herzklopfen und dann: "Ach, doch nicht!" Erleichterung. Nun gibt es ja meist ein paar unter uns, die Gefühlsmäßig nicht so...- man sagt es ja meistens den Männern nach... Aber es gibt auch Forschungen, die sich damit auseinandersetzen. Und man hat selbst bei Leuten, die eigentlich sagen, sie haben gar keine Gefühle - sie fühlen einfach nichts, sind weder richtig geschockt, noch richtig gefrustet, noch richtig... Wenn man ihnen Bilder zeigt, ihnen Situationen vorspielt, dann gibt es , gemessen mit einem EEG, genau solche Gehirnströme, wie bei Menschen,die eine Schockreaktion, oder Angstreaktion oder Glücksreaktion erleben. Es spielt sich trotzdem im Gehirn ab. Diese Reaktion wird nur sofort wieder abgeblockt. Also kann man sagen, die ganzen Emotionen, die es gibt, sind schöpfungstechnisch in uns angelegt. Sie sind nichts, wo ich sagen kann: "Es ist nicht gut", sondern es gehört zu uns. Und bevor ich noch mehr dazu sage, was letztendlich die Bewertung dieser Emotionen ausmacht, mein Gefühl ausmacht, möchte ich kurz erläutern, welche Grundemotionen es gibt. Natürlich gibt es unterschiedliche Leute, die unterschiedlich viele Emotionen benennen. Oder das in andere Kategorien einteilen. Ich hab mich mal für diese Kategorien entschieden: Die ersten vier, die ich jetzt aufzähle, sind nach Forschungsergebnissen die, die jede Nation bei jemand anderem am Gesichtsausdruck erkennen kann. Wenn jemand ein geschocktes Gesicht macht, kann es der andere erkennen. Ich will mal anfangen mit: Zorn/Wut Hierzu gehören Gefühle wie: Empörung, Groll, Aufgebrachtheit, Entrüstung, Verärgerung, Erbitterung, Verletztheit, Verdrossenheit, Reizbarkeit, Feindseligkeit im Extremfall krankhafter Hass und Gewalttätigkeit. Und diese Emotion, wenn jemand wütend ist, das kann jede Nation jedem anderen im Gesicht ablesen. Das nächste ist: Trauer Hierzu gehören Gefühle wie: Leid, Kummer, Freudlosigkeit, Trübsal, Melancholie, Selbstmitleid, Einsamkeit, Niedergeschlagenheit, Verzweiflung und falls pathologisch, schwere Depression. Auch dieses Gefühl ist jedermann im Gesicht abzulesen - wenn er es zulässt, es auszudrücken. Das nächste: Angst/Frucht Hierzu gehören Gefühle wie: Furchtsamkeit, Nervosität, Besorgnis, Bestürzung, Zaghaftigkeit, Grauen, Entsetzen, krankhaft: Phobie und Panik Man sagt, dies ist die fehlgeleitetste Emotion, die es gibt. Von der Evolution her, ist dies die Reaktion, die am meisten gebraucht wurde: zum Selbstschutz Angst zu haben. Tiere sind darauf angewiesen, dass sie sofort die Antennen hoch haben, falls irgendwo Gefahr droht. Heute bei mir vor dem Fenster konnte ich das gut beobachten: da war ein Vogel, der im Schnee herumpickte und eine Katze, die sich langsam anpirschte. Da ist dann die Sensibilität des Vogels gefragt, rechtzeitig wegzufliegen, bevor der Kater kommt. Da wir heute in unserem normalen Leben - außerhalb des Straßenverkehrs - diese Emotionen nicht mehr so oft brauchen, sagt man, dies ist die am häufigsten fehlgeleitete, die in irgendwelche Phobien oder Panik oder sonst was geht. Das nächste, was noch für jeden erkennbar ist, ist Glück Freude/Glück Hierzu gehören Gefühle wie: Vergnügen, Behagen, Zufriedenheit, Seligkeit, Entzücken, Erheiterung, Fröhlichkeit, Stolz, Sinneslust, Erregung, Gratifikation, Befriedigung, Euphorie, Laune, Ekstase und im Extremfall Manie Das nächste ist die Liebe: Liebe Hierzu gehören Gefühle wie: Akzeptanz, Freundlichkeit, Vertrauen, Güte, Affinität, Hingabe, Anbetung, Vernarrtheit, Agape Dann kommt auch gleich das nächste: Überraschung Hierzu gehören Gefühle wie: Schock, Erstaunen, Verblüffung, Verwunderung Überraschung gibt es in beide Richtungen, dass ich über etwas Positives überrascht bin oder über etwas Negatives überrascht bin. Dann als nächstes der Ekel: Ekel Hierzu gehören Gefühle wie: Verachtung, Geringschätzung, Verschmähen, Widerwille, Abneigung, Aversion, Überdruss
Und als letztes Scham: Scham Hierzu gehören Gefühle wie: Schuld, Verlegenheit, Kränkung, Reue, Demütigung, Bedauern, Kasteiung und Zerknirschung
Das ist die Liste, was es alles gibt, was in unserem normalen Leben alles einmal zu Tage treten müsste, -und was bei den meisten auch schon mal zu Tage getreten ist. Diese Liste ist natürlich nicht über jeden Zweifel erhaben und auch die Ausführungen sind bestimmt nicht vollständig. Andere teilen das in 6 Grundemotionen ein, lassen Ekel und Scham da raus - wie auch immer. Es fehlen auch manche Tugenden wie Hoffnung, Glaube oder so. Dies soll auch nur eine Einführung sein: Über welche Emotionen will ich hier sprechen? Um was geht es hier? Da die Predigt heute "Der emotionale Jesus" ist, bleibt ja nun die Frage: Was hat Jesus mit Emotionen gemeinsam? Was hat Jesus mit diesen Emotionen zu tun? Wird in der Bibel darüber berichtet, dass Jesus diese Emotionen hatte? Und ich sage: ja, es wird darüber berichtet und ich möchte euch als nächstes ein paar Bibelstellen vorlesen und zeigen, wo auch Jesus verschiedene dieser Emotionen gezeigt hat. Diese Liste ist ebenfalls unvollständig. Es gibt mehrere andere Stellen - sogar Stellen, die besser passen. Aber ich habe jetzt diese gewählt: Lukas 19, Vers 41 + 42 Als Jesus Jerusalem vor sich liegen sah, weinte er über die Stadt. „Der Friede war dir so nahe, warum nur wolltest du ihn nicht haben?" Jesus sieht Unheil kommen über Jerusalem und er trauert. Jesus trauert über Jerusalem, er sieht, dass was Negatives kommen wird, und sieht, es hätte was Positives sein können. Jesus weint. Da kommt nicht so eine abgeklärte Reaktion " Na ja, mein Vater hat alles im Griff - wird schon richtig gehen." Das nächste ist: Lukas 10, 21 Erfüllt vom Heiligen Geist, betete Jesus nun voller Freude: Mein Vater, Herr über Himmel und Erde! Da wird einfach ein Ausdruck von Freude gebracht. Das was wir vorhin auch gemacht haben, Gott angebetet und uns gefreut. Und dann: Lukas 14, 34 Salz ist lebensnotwendig. Aber was soll man mit Salz anfangen, das seinen Geschmack verloren hat? Hier ist Jesus ein Stück bekümmert, so nach dem Motto: Salz ist lebensnotwendig, aber ihr habt so ein bisschen den Geschmack verloren, das Salz ist... hm, was soll aus diesem ganzen Essen werden? Haben sie Leute wirklich begriffen, was er sagen will? Und dann: Markus 3, 5 Zornig sah Jesus einen nach dem anderen an, tief erschüttert über ihre Hartherzigkeit. Zu dem Mann aber sagte er: „Strecke deine Hand aus!“ Der Mann gehorchte, und sofort war seine Hand gesund. Hier zeigt Jesus Zorn. Zorn darüber, dass die anderen ihm verbieten wollten, diesen Mann an einem Sabbat zu heilen. Nach dem Motto: das könnte man doch nicht tun, das sei nun ein Sabbat und das passt nicht so richtig in die Gesetze. Und Jesus wird zornig und hat Unverständnis darüber, dass doch hier etwas Gutes geschehen soll und dass da so eine Einschränkung kommen soll. Jesus war zornig. Und dann: Matthäus 26, 37 Tiefe Mutlosigkeit und Angst überfielen Jesus, und er sagte zu ihnen: „Ich zerbreche beinahe unter der Last, die ich zu tragen habe.“ Können wir uns das eigentlich wirklich vorstellen? Tiefe Mutlosigkeit und Angst bei Jesus. Das Wissen, da kommt etwas, was noch nicht ist. Und Angst davor zu haben. Als nächstes: Lukas 7, 13 Als Jesus sie sah, war er von ihrem Leid tief bewegt. „Weine nicht!“ tröstet er sie. Hier zeigt Jesus Mitleid. Dann: Markus 6, 6 Er wunderte sich, dass ihn die meisten in ihrem Unglauben ablehnten. Darum ging er in andere Dörfer und sprach dort überall zu den Menschen. Jesus trifft also auf Leute, die ihn nicht wollen, die ihm auch nicht glauben wollen. Und Jesus ist verwundert darüber. Und dann: Lukas 7, 9 Als Jesus das hörte, wunderte er sich sehr. Er sagte zu den Menschen, die ihm gefolgt waren: „Das ist sicher: Unter allen Juden in Israel bin ich keinem Menschen mit so festem Glauben begegnet.“ Aber auch anders herum, er ist überrascht, er ist verwundert über so viel Glauben außerhalb seines Volkes, der ihm entgegen gebracht wird. Jesus was erstaunt in positiver, wie in negativer Hinsicht. Dann noch: Lukas 12, 49 + 50 Ich bin gekommen, um auf der Erde ein Feuer anzuzünden. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! Vorher muss ich aber am Kreuz noch Schweres erleiden. Ich habe Angst davor, bis alles vollbracht ist. Jesus war in Sorge. Es stand ihm etwas bevor, wie uns vielleicht manchmal eine schwere Prüfung bevorsteht. Das ist natürlich im Vergleich zum Tod ein wenig abgemilderter und ein schwacher Vergleich. Wie wir also auch, hat Jesus Wut, Zorn, Angst, Erstaunen, Sorge, ein wenig Frust über seine Mitmenschen, hat Glück empfunden. Wir sind also in bester Gesellschaft. Auch Jesus waren Emotionen nicht unbekannt. Aber auch er musste damit umgehen. Und, was an manchen Stellen auch noch deutlich wird, Jesus hatte kein Problem damit, seine Emotionen - das was er erlebt hatte - mit seinen Jüngern zu teilen. Er sagt seinen Jüngern im Voraus: Ich hab Angst. Was mir bevorsteht, ich hab Angst davor. Er hatte also keine Angst davor, dadurch als ungeistlich oder unreif zu gelten, indem er eingestand, Probleme zu haben, indem er eingestand, dass ihm was Sorgen macht, indem er eingestand, dass er zornig war über Leute, die so ungerecht waren und so wenig Mitleid haben konnten. Ein Zeichen von Zorn, Angst oder Wut ist also kein Zeichen von Gottesferne bei uns. Wenn wir also in Situationen sind, in denen wir Angst haben, heißt das nicht, Gott ist fern. Und es ist eben gut, die Gefühle auch mit anderen - mit Gott und mit anderen - zu teilen. Alles andere würde uns, denke ich, auch irgendwann krank machen, wenn wir es in uns hinein fressen würden. Aber natürlich war trotz allem Jesus weder jähzornig noch depressiv, noch launisch, noch manisch. Wenn wir also Probleme haben, mit unseren Emotionen und Gefühlen umzugehen, so ist das Problem nicht, dass wir grundsätzlich Wut empfinden, grundsätzlich zornig sein können, grundsätzlich vielleicht frustriert sein können. Sondern es ist das, was wir daraus machen: Fehlhaltungen, Fehl-Sachen, die entstanden sind. Unsere Gefühle werden nämlich durch unsere Gedanken bestimmt, durch unsere Erfahrungen aus der Vergangenheit. Ich will das mal an einem Beispiel deutlich machen: Es ist nun schon fast 10 Jahre her, da hatte ich mal einen Autounfall. Der Verkehr war ein bisschen dicht, plötzlich bremsten sie vor mir, ich hab auch gebremst, aber irgendwie war's en bisschen zu spät, jedenfalls bin ich dem hinten drauf gefahren und der hinter mir fuhr mir auch gleich noch mal drauf. Mein Auto hatte Totalschaden, das musste ich abschleppen lassen. Dann habe ich glücklicherweise - mein Auto fuhr nun gar nicht mehr - das Auto von meiner Oma gekriegt, für die Zeit, da ich dringend ein Auto brauchte mit dem ich fahren musste. Aber dann war es die erste Zeit einfach so: jedes Mal, wenn ich wieder in das Auto gestiegen bin, hatte ich das Gefühl "Hoffentlich passiert jetzt nicht gleich wieder ein Unfall." Ich hab dann auch noch mehr Sicherheitsabstand gehalten und trotzdem, wenn dann jemand vor mir plötzlich bremste: - das wäre mir vorher nicht passiert - dann raste mein Herz - Schock - " da bremst jemand, nicht auffahren, bremsen!" Die Reaktion, die sonst vielleicht in solche Situationen nie entstanden wäre, kam da wieder sofort. Weil natürlich vorher grad die Erfahrung da war, dass ein Unfall passiert war. Also waren meine Emotionen darauf eingestellt, viel schneller zu reagieren. Viel sensibler auf diesen Punkt zu reagieren, um das, was ich grad erlebt hab, zu vermeiden. Das Ganze hat gut 14 Tage gedauert und ich hab dann keinen neuen Unfall gebaut, bin niemandem wieder hinten drauf gefahren. Und nach und nach hat diese überhöhte Reaktion nachgelassen. Ich konnte wieder normalen Abstand halten zu meinem Vordermann, mein Herz ist nicht jedes mal in Alarmbereitschaft gegangen, wenn da vor mir jemand gebremst hat. Ich denke, das ist auch das, was mit uns passiert, wenn wir Dinge erleben, oder in der Vergangenheit erlebt haben. Die Erlebnisse haben Einfluss darauf, wie wir mit diesen Sachen umgehen. Wenn ich also nie gelernt habe, dass man Emotionen zeigt, dann werde ich mich auch schwer tun, sie in Zukunft zu zeigen. Aber, positive wie negative Erfahrungen können mich in der Form wieder berichtigen, können mir wieder einen normalen Umgang damit zeigen. Solche Sachen fallen mir relativ schnell auf. Das ist natürlich ein relativ einfaches Beispiel. Wenn ich in der Kindheit missbraucht, misshandelt oder sonst etwas wurde, dann ist mir meistens relativ schnell klar, dass da emotionale Fehlleitungen sind, die mir das Leben schwer machen, die mir oftmals den Umgang mit anderen schwer machen. Wenn ich aber aus einer ziemlich normalen Familie komme, dann fällt es mir schon schwerer, mir einzugestehen, dass es auch hier Fehlschaltungen, Fehlhaltungen gibt. Und wenn ich dann einmal genau hingucke, sehe ich auch, dass in meiner Familie in bestimmten Punkten Schwierigkeiten vorhanden sind, mit Sachen umzugehen. Diese Schwierigkeiten habe ich geerbt. Auch ich habe Schwierigkeiten, mit diesen Punkten umzugehen. Zum anderen habe ich ja auch gerne das Bild von mir, dass ich normal bin, dass ich eigentlich auch gerne selbstbewusst dastehe. Also fällt es mir schwer, mir einzugestehen, an diesem oder jenem Punkt ein Problem zu haben. Aber, ich kann nur reifen, wenn ich mich dem stelle. Und wenn ich merke, dass ich an der einen oder anderen Stelle mit immer den gleichen Personen immer in den gleichen Konflikt gerate, dann lohnt sich vielleicht mal, einen Blick zurückzuwerfen. Dann lohnt sich vielleicht mal der Blick: Gab es in meiner Familie schon öfter solche Probleme? Deswegen habe ich auch diese Thema heute gewählt: Für uns als Christen ist es noch einmal entscheidender zu lernen, damit umzugehen. Denn für mich hängt mit den Emotionen umgehen zu können und richtig mit den Gefühlen umzugehen, auch zusammen mit der geistlichen Reife. Wenn ich nicht emotional reife und emotional lerne, diese Dinge aufzuarbeiten, kann ich auch geistlich nicht wirklich reifen. Bei vielen ist es leider so - auch wenn man manchmal Bücher liest, - über große Leiter oder ähnliches - : meistens schaffen die es nur, sich ihre Probleme anzugucken, einen Blick zurückzuwerfen, wenn alles kaputt gegangen ist. Wenn sie gescheitert sind. Und oftmals, das kann ich auch von mir sagen, ist man erst mutig genug zu sagen: „Das ist vielleicht nicht so gut“, wenn man an einem Punkt ist, wo das Leben schwer geworden ist. Wen man an einem Punkt ist, wo man sagt: „So will ich auf keinen Fall weiterleben. So kann ich gar nicht mehr weiterleben.“ Oftmals sind wir erst bereit zurückzugucken, wenn wir gescheitert sind, wenn Beziehungen gescheitert sind. Nun kommen wir zum letzten und schwersten Teil für mich heute: Um zu lernen, richtig mit Emotionen umzugehen und Gedanken - auch die Gefühle - ein wenig zu steuern, gibt es nicht die Lösung. Die Probleme sind auf diesem Bereich soweit gefächert, wie weit es diese Emotionen gibt. Und es gibt nicht einen einzigen Lösungsweg, wie man das nun angehen könnte, um wirklich Reife, um Heilung zu erlangen. Und doch möchte ich ein paar Punkte aufzählen, die hilfreich oder notwendig sind, um überhaupt dahin zu kommen. Um vielleicht auch einen individuellen Weg zu finden, um Heilung zu erleben. Ich denke, das erste und das wichtigste ist das eigene Eingeständnis: ich habe ein Problem. Das mag nur klein sein, das mag groß sein. Es müssen ja nicht immer die Riesenprobleme sein, dass man nun denkt man müsste sein ganzes Leben verändern. Aber vielleicht denke ich, wenn der mich nicht grüßt: "Warum grüßt der nicht? Der mag mich bestimmt nicht." So, geh' ich da Problem einfach mal an und frag ihn, ob er mich einfach nur übersieht, oder ob er mich wirklich nicht mag. Statt mir 2 Jahre lang Gedanken darum zu machen und die Person nicht zu mögen. Vielleicht hat sie mich wirklich nur übersehen, vielleicht hat sie nur mal wieder die Brille nicht auf. Und das bedeutet natürlich, ich muss das eigene Bild von mir manchmal auch revidieren. Ich muss mir vielleicht eingestehen, ich bin nicht ganz so selbstbewusst, wie ich immer gedacht hab'. Und bei mir war es so, dass ich immer wieder an den gleichen Punkten an das gleiche Problem gestoßen bin. Und dann dachte: "Na ja, so oft das gleiche Problem, das kann nicht nur an den anderen liegen." Also als erstes das Eingeständnis, ich hab da ein Problem und ich möchte, dass sich das verändert. Und als zweites ist es immer wichtig dann Gott zu bitten: "Gott, du bist der, der den richtigen Umgang mit jeder Emotion kennt. Und auch: „Du kannst meine Fehlhaltungen verändern, du kannst mich heilen.“ Bei Gott bin ich immer perfekt aufgehoben. Er kennt mich, er kennt meine Gefühle, er kennt meine Familie, er kann mir Punkte zeigen, wo es wichtig ist, weiterzumachen. Und dazu gehört natürlich die Bereitschaft, dann auch die verschiedenen Wege, die Gott mir vielleicht zeigt auch einzuschlagen. Das kann mal ein Gespräch sein; das kann vielleicht auch mal eine Therapie sein, was dann notwendig ist, um wirklich weiterzukommen. Und als dritten Punkt: Das Lernen, unsere Gefühle zu teilen. Das hat mich an diesen Stellen auch mit am meisten fasziniert, dass Jesus hingegangen ist und gesagt hat: „Ich bin zu Tode betrübt.“ Er konnte seine Gefühle mitteilen. Und in dem Mitteilen kann ich auch Trost finden. In Trauer, wenn ich traurig bin: der andere muss gar nicht die Lösung für mich parat haben. Ich denke, wir sind oftmals schnell dabei, wenn jemand kommt und schlecht drauf ist, dass wir ihm unbedingt helfen wollen und meinen, wir müssten jetzt ihm die Lösung bieten. Es ist einfach schon gut, wenn jemand da ist, man Trost finden kann. Dass ich meinen Frust mitteilen kann, und vielleicht schon dadurch Erleichterung empfinde, Zuversicht bekomme. Und das gilt für beides, dass ich das teile. Mit Gott als erstes und mir auch sagen lass: „Mann, der Frust, daran bist du selber ein bisschen Schuld.“ Dass ich es mit Gott und mit Menschen teile. Und dass ich nicht da stehe und von mir dieses Bild präsentieren muss: „ich freu mich immer“, „ich bin immer gut drauf“. Keiner - denke ich - ist immer gut drauf. Und, wenn ich es mit Gott und mit Menschen teile, dann bekomme ich auch immer einen guten Spiegel, ob meine Reaktionen angemessen sind. Wenn ich zu jemandem geh und sage: "“Ach, und der ist ja so blöd...“ und der jemand sagt: „Der hat das doch gar nicht so gemeint“. Das kann ein Tipp darauf sein, dass eine Reaktion ein bisschen überzogen ist. Dass das vielleicht ein ganz anderes Problem ist, und nicht dieses kleine Problem, was ich vielleicht gerade mit dem besprochen - über was ich mich so geärgert habe. Im Teilen bekomme ich einen Spiegel, ob das, was ich denke und wie ich reagiere angemessen ist. Und ich bekomme vielleicht auch Hilfestellung. Und nicht umsonst sagt Gott, dass wir alle Sorgen und alles bei ihm abladen können. Was nicht heißt, dass wir uns nie wieder sorgen werden. Aber wir können mit allem zu ihm hingehen. Wir können ihm alles bringen und es ist sicher bei ihm aufgehoben. Und letzten Endes sorgt er sich darum. Das enthebt mich nicht meiner Sorge und das hebt nicht sofort allen Frust auf - aber in letzter Konsequenz weiß ich, alles ist bei ihm gut aufgehoben. Meine Sorgen trägt er letztendlich. Meinen Frust kennt er. Den hat er ebenso getragen. Gefühle, Emotionen in jeder Bandbreite waren auch bei Jesus zu finden, die auch bei uns zu finden sind. Und es ist einfach für uns, zu lernen damit umzugehen. Uns nicht von unseren Emotionen und Gefühlen unterkriegen zu lassen und damit den Blick auf Gott zu verlieren, der alles in der Hand hat. Aber es ist auch nicht Ziel, es zu verdrängen und zu denken, bei Gott dürfte das nicht so sein - wenn irgendwas nicht so läuft, dann machen wir was nicht richtig. Das heißt es also nicht!
Ich hoffe, ich habe
euch nicht zu sehr verwirrt. Ich habe festgestellt, wie schwierig es
ist, dies in Worten auszudrücken. Wenn ich jemanden komplett verwirrt
habe, darf er mich gerne ansprechen. |