logo der vineyard




 

Predigt vom Sonntag, 18.01.2004
Norbert Bauer zum Thema: 

Eine Tür wie Obed

 

Heute wird es um Obed gehen, einen Mann, über den sonst – wenn überhaupt - nicht viel gepredigt wird. Ich persönlich bin vom Alten Testament sehr fasziniert. Ich liebe das Alte Testament. Es hat mir so viel zu sagen.
Wir alle haben schon Predigten über David gehört, über Moses und Abraham und, und, und… Aber wer hat schon einmal eine Predigt über Obed gehört? Eigentlich heißt er ja Obed-Edom, aber ich sage jetzt einfach mal Obed zu ihm.

Kürzlich habe ich von diesem Obed gelesen, und es hat mich wahnsinnig gepackt. Eigentlich konnte ich mich sehr stark mit diesem Mann identifizieren. Bevor ich aber mehr über ihn erzähle, müssen wir eine kleine Einführung machen. Eine Geschichte, die ihr sicher alle kennt, spielt zur Zeit des Königs Saul. Die Philister hatten die Bundeslade geklaut, das wisst ihr sicher alle. Warum? Sie haben gewusst, dass diese Bundeslade ein Symbol ist für die Herrlichkeit und die Gegenwart Gottes. Und sie haben gewusst: Wenn die Israeliten diese Bundeslade mit in den Krieg nehmen, dann gewinnen sie immer. Sie haben sich gedacht: Wenn wir jetzt dieses Ding klauen, dann gewinnen wir auch. So haben sie es getan. Nur – es hat nicht funktioniert. Im Gegenteil: Gott hat ihnen das Leben sehr schwer gemacht.  Nach kurzer Zeit haben sie sich dann entschieden, diese Bundeslade mit ein paar Ochsen oder Kühen wieder zurückzuschicken in das Land der Israeliten. Von Shiloh aus ging es dann in die verschiedenen Bereiche Israels, entlang des Gebiets der Philister zurück nach Jerusalem.

Schon früher hat mich immer wieder erstaunt, dass Saul als König gewusst haben muss, dass die Bundeslade wieder zurück ist in Israel. Allerdings nicht in Jerusalem, sondern in einem kleinen Dorf an der Grenze zu den Philistern. Die Bibel sagt uns, dass Saul sich nicht darum kümmerte. Es war ihm egal, wo diese Bundeslade sich befindet. Und das ist eigentlich eigenartig, denn die Bundeslade ist – wie gesagt - ein Symbol für die Herrlichkeit und die Gegenwart Gottes. Und so haben diese ganzen Jahre hinüber die Leviten und die Priester in der Stiftshütte des Mose ihrer Dienst vollbracht, und die Herrlichkeit Gottes war gar nicht da.

Das kommt mir manchmal so vor, wie wir das auch machen. Man feiert Gottesdienst oder tut religiöse Dinge, und weiß gar nicht so genau, worum es geht. Das ist nicht nur im Christentum so, sondern auch im Buddhismus oder Hinduismus, dass man oft vergessen hat, was man eigentlich anbetet - und warum.

So hat Saul an diesem Punkt schon versagt. Wir wissen, er hat später noch einige Fehler begangen, die ihm dann schlussendlich die Königsherrschaft gekostet haben. Aber sein größtes Versagen war, dass er kein Herz hatte nach der Gegenwart Gottes.

Dann lesen wir, dass David König wird. Und seine erste Amtshandlung ist: er hat eine riesengroße Delegation hinunter geschickt in dieses Dorf Kirjat-Jearim, um dort die Bundeslade mit Pauken und Trompeten wieder zurück zu holen nach Jerusalem. Die Geschichte kennt ihr sicher alle. Was an dieser Episode auffällt, ist die traurige Tatsache, dass unterwegs einiges passiert ist, was nicht im Plan war. Das eine war, dass ein gewisser Usah gemeint hat, er müsse diese Lade stützen, damit sie nicht vom Wagen fällt. Da hat Gott ihn an Ort und Stelle getötet. Das sind Dinge, die wir nur schwer verstehen können. Das ist so ähnlich wie bei Ananias und Saphira. Wie kann ein Gott der Liebe so etwas tun? Sie hatten doch den richtigen Gedanken, sie wollten doch wirklich die Gegenwart Gottes zurückbringen. Und jetzt bringt Gott ihn einfach um. Was denkt er sich eigentlich?

Was viele nicht wissen: Obwohl David ein gutes Herz hatte, diese Bundeslade zurück zu bringen, hat er dabei einige Fehler begangen. Wenn man nämlich das alte Testament aufmerksam liest, wird sehr klar, dass die Lade nicht auf einem Wagen transportiert werden darf. Sie hat an der Seite kleine Ringe, durch die auf beiden Seite je eine Stange geschoben werden sollte. So sollte sie auf den Schultern der Leviten getragen werden. Per Fuß. David dachte halt: Wir machen das ein bisschen schneller, und hat den Wagen geholt. Aber Gott hat gesagt: So nicht! Leider war der Usah zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort und hat dann versucht, noch ein bisschen zu manipulieren. Da war bei Gott die Geduld aus.

Natürlich war David schockiert und ließ die Prozession unterbrechen. Das war das letzte, was er wollte, dass ein Mensch stirbt. Es war ja ein freudiges Ereignis, ein Fest. Und dann stirbt dort ein Mann, und wie es scheint, unschuldig – von Gott geschlagen. Da ging ihnen allen die Luft aus. Auch David hat Angst gehabt, die Bundeslade dann weiter nach Jerusalem zu bringen, dass er sie in das Haus von Obed gebracht hat. Und jetzt kommt unser Mann ins Spiel, von dem ich euch eigentlich erzählen möchte.

Lasst uns mal 2. Samuel 6,12 aufschlagen: Als der König davon erfuhr, dass die Lade Obed-Edom Glück und Wohlstand gebracht hatte, freute er sich und ging hin, um sie nach Jerusalem zu holen.

Es waren jetzt ungefähr drei Monate vergangen seit diesem schrecklichen Geschehen. Und jetzt bekommt David Wind davon, was im Haus von Obed wirklich abging. Dieses Zeugnis ging durch das ganze Land. Seine Familie wurde gesegnet, seine Felder wurden gesegnet. Alles, was der Mann anfasste, wurde zu Gold. Irgendwie hat dann David seine Angst auch wieder verloren und hat einen zweiten Anlauf unternommen, diese Bundeslade zurück zu führen, dorthin, wo sie eigentlich hingehört.

Ich bin ein sehr praktischer Mensch und habe eine sehr lebendige Vorstellungskraft. Und ich stelle mir das ganze ungefähr so vor: Da klopft es eines Tages beim Obed an der Tür. Er macht auf und wer steht da? König David. Obed fällt vor ihm nieder und begrüßt ihn.
Da sagt David: „Hey, Obed. Ich habe gehört, dass bei Dir einiges los ist hier im Haus.“
“Ja, das stimmt. Es ist unglaublich. Meine Kinder streiten nicht mehr. Der Hund beißt die Nachbarn nicht mehr. Und meine Frau ist auch ganz lieb. Die Felder gedeihen. Das Geld kommt nur so rein. Wir sind alle gesund. Und vor allem: diese Atmosphäre hier im Haus! Spürst Du sie? Fühlst Du sie?“

„Ja“, sagt David. „Ich weiß schon, was Du meinst. Aber leider muss ich die Bundeslade wieder mitnehmen.“

Obed wird ganz weiß im Gesicht. „Du willst sie mitnehmen? Wegnehmen von uns?“

„Hör mal, die war nicht gedacht für einen Mann“, erklärt David. „Sie ist für das ganze Volk. Sie ist für alle Israeliten. Ich muss sie zurückbringen nach Jerusalem, wo sie hingehört.“

Irgendwie sieht Obed das schon ein. Das nächste, was er tut, müssen wir zwischen den Zeilen herauslesen. Ich erkläre euch später, wo das herkommt, was ich jetzt erzähle. Also: er dreht sich dann wahrscheinlich rum und schreit: „Mathilda, hol die Koffer vom Speicher. Wir ziehen um!“

Wir lesen dann später, dass der Oben plötzlich in Jerusalem wieder auftaucht. Er ist also umgezogen, weil er sein wollte, wo diese Bundeslade Gottes war.

Jetzt möchte ich euch einen kleinen Überblick geben darüber, was eigentlich im Leben von Obed geschehen war. Ich möchte, dass ihr versucht, euch ein Stück weit mit ihm zu identifizieren. Denn das, was in seinem Herzen zu dem Zeitpunkt geschah, ist – glaube ich – etwas, was auch in unserer Zeit in den Herzen von vielen Menschen geschieht, die Jesus kennen.

Diese drei Monate der Gegenwart Gottes in seinem Herzen haben sein ganzes Leben auf den Kopf gestellt. Das erste, was wir sehen: er ist umgezogen zum Berg Zion. Er wollte eben dort sein, wo diese Bundeslade war. Dann lesen wir später davon, dass er offensichtlich eine neue Arbeit gefunden hat. Wir wissen nicht genau, was er dort in dem Dorf, wo er gelebt hat, gemacht hat. In den Büchern habe ich gesehen, dieses Dorf liegt so 15 Meilen, etwa 20 Kilometer, von Jerusalem entfernt. Wahrscheinlich hat er dort Ackerbau und Viehzucht betrieben. Viel anderes kann er dort nicht gemacht haben auf dem Land. Dann lesen wir von ihm später, dass er gewisse Positionen bekommen hat im Zusammenhang mit der Bundeslade. Das dritte, was wir lesen, ist, dass er jetzt viel mehr Autorität bekommt. Er wird als Leiter eingesetzt. Er hat Menschen unter sich. Er hat Einfluss. Und das, was wir dann schlussendlich noch lesen, ist, dass durch diese Glaubenshandlung, wirklich alles zurückzulassen und einfach umzuziehen, nicht nur er mit seiner Familie gesegnet worden ist, sondern auch seine Nachfahren bis in die zweite Generation. Das sind alles Dinge, die wir in der Schrift lesen können.

Ich gebe euch nach und nach ein paar Bibelstellen, die ihr vielleicht zu Hause mal nachlesen könnt. Fangen wir mit dem ersten an. Was war da geschehen im Herzen dieses Mannes? Er hat etwas erkannt, was ich auch irgendwann erkennen musste. Es genügt mir nicht, eine kurzzeitige Erfahrung mit Gott zu haben, irgendein Erlebnis, auf das ich später zurückgreifen kann, um zu sagen: „Weißt du noch, vor dreißig Jahren, als wir den Heiligen Geist in unseren Gebetstreffen gespürt haben? Das war so wunderschön.“ Das war es mit Sicherheit. Aber ich persönlich kann mich heute damit nicht mehr zufrieden geben.

Ich glaube, wir sind in unserem Herzen doch auch nicht so viel anders als dieser Obed. Wenn du einmal Gott geschmeckt hast, dann willst du ihn wieder schmecken. Wenn du ihn einmal gespürt hast, dann willst du ihn wieder spüren.

Als ich damals von zu Hause weggelaufen war, bin ich in Schweden gelandet, in Stockholm. Ich kannte keinen Menschen dort. Ich konnte die Sprache nicht. Ich war wirklich ein Fremder. Damals kannte ich Gott noch nicht. Ich werde nie vergessen. Es war die Zeit der Jesus-People-Bewegung. Einige von euch wissen vielleicht noch, was oder wie das war. Die Zeit der Hippies. Ich ging eines Tages in Stockholm in eine Bibliothek, auf der Suche nach irgendwelchen Menschen, die mir helfen konnten in meiner Not. Ich hatte kein Zuhause. Als ich da so durch die Bibliothek geh, sehe ich eine Gruppe Jesus-People, richtige Freaks, langhaarig, mit Blümchen und allem Drum und Dran. Die standen mitten in der Bibliothek im Kreis und haben Gott angebetet. Einfach so. Ich weiß nicht mehr, was sie gesungen haben. Es war irgendein Loblied. Und ich werde es nie vergessen: ich bin an ihnen vorbei gegangen, habe ihnen auch keine Beachtung geschenkt. Ich dachte mir: „Was machen die da?“ Keine Ahnung, was da läuft. Als ich an ihnen vorbei gehe, spüre ich etwas, was mich wie Elektrizität berührt hat, wie eine statische Aufladung, wenn einem plötzlich die Härchen am Arm aufstehen. Ich habe mir noch gedacht: „Was war das jetzt?“ Ich habe das nicht verstanden, habe es auch wieder vergessen. Später, viel später, als ich dann den Herrn gefunden hatte und Erfahrungen mit ihm gemacht hatte, habe ich mich dann wieder daran erinnert. Heute weiß ich, dass das die Gegenwart Gottes war, die wirklich unter diesen Menschen war, als sie ihn angebetet hatten. Das sind Kleinigkeiten. Aber wenn man die einmal erlebt hat, wenn man Gott wirklich gespürt hat, dann kann man eigentlich doch nicht anders als dort sein wollen, wo auch er ist.

So war es auch im Leben von Obed. Er war nicht zufrieden mit irgendeiner Erfahrung aus der Vergangenheit. Er musste dort wohnen, wo auch Gott wohnte. Er hat die Gegenwart Gottes nicht nur am Sonntag oder am Sabbat, sondern er wollte sie immer in seinem Leben haben. Und wisst ihr, was dieser Mann verstanden hat? Das ist etwas, was ich eigentlich auch erst in den letzten Jahren begriffen habe. Er hat den Unterschied verstanden zwischen der Salbung und der Gegenwart Gottes. Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir uns immer angezogen fühlen von irgendwelchen Menschen, auf denen die Salbung Gottes ruht. Das sieht man allein schon, wenn irgendein bekannter Prediger oder Evangelist auftaucht. Dann strömen die Menschen ja in Massen dorthin. Warum? Warum gehen die dorthin? Weil sie hoffen, dass sie dort etwas von der Gegenwart Gottes erfahren, die auf diesem Mann ruht. Sie sind angezogen von der Salbung, die auf einem Mensch ruht.

Das ist an sich nicht schlecht und nicht falsch. Aber was wir erkennen müssen und was Obed erkannt hat: Salbung ist die Kraft Gottes auf dem Fleisch. Sie fließt zu uns und kommt zu uns durch das Fleisch, durch den Mensch. Dadurch ist sie oft etwas verfärbt und unvollkommen. Man sieht da oft Dinge, die man nicht so ganz einordnen und verstehen kann. Wie viele von uns haben nicht Geschichten gehört und gelesen von Männern und Frauen, die wirklich von Gott gebraucht wurden und dann liest man, dass sie irgendwo abgerutscht sind in Sünde, großen Mist gebaut haben. Man fragt sich, wie ist denn das möglich? Ganz einfach: Gott kann doch jeden gebrauchen. Er kann auch einen Esel gebrauchen. Warum ist es dann so speziell, dass wir diesen Menschen wirklich nachziehen und nachpilgern, nur um etwas zu erhaschen von dieser Salbung, die auf ihnen ruht?

Wir haben vier Jahre in Kambodscha gelebt und ich habe nie so stark die Kraft Gottes erlebt wie in diesen vier Jahren. Gott hat sich wirklich diesem armen Volk offenbart, wie ich es noch nie wo anders gesehen und erlebt habe. Als junger Christ, als ich noch in Schweden lebte, bin ich mit der U-Bahn zur Arbeit gefahren und habe dabei zum ersten Mal so richtig meine Bibel gelesen, das Neue Testament. Als ich in der Apostelgeschichte von den Zeichen und Wundern gelesen habe, die dort abgingen, war der Schrei meines Herzens: „Herr, das möchte ich alles mal sehen! Ich glaube, dass das auch heute noch passieren kann. Ich möchte das alles erleben, was da drin steht.“ Gott war gnädig. Er hat mir diesen Wunsch erfüllt. Ich habe in den vier Jahren in Kambodscha unwahrscheinliche Zeichen und Wunder erlebt. Nicht durch mich, aber durch andere. Durch das, was Gott einfach dort getan hat inmitten seiner Gemeinde – und auch der Ungläubigen. Fantastische Geschichten bis hin zur Totenauferweckung.

Da war es dann so, dass die Kraft Gottes eine Zeitlang so stark auch auf uns von der Leiterschaft war, dass, wenn wir uns im Gottesdienst versammelt und für Menschen gebetet haben, immer etwas passiert ist. Das Gefährliche daran ist, dass man dann denkt: „Vielleicht bin ich doch etwas Besonderes. Jetzt habe ich gebetet und der ist  - durch die Luft geflogen. Ich habe gebetet und da ist etwas passiert.“ Da passiert es leicht, dass man denkt: „Das ist doch toll, was da in meinen Händen an Kraft ist.“ Aber wisst ihr, was ich immer wieder sagen und bekennen muss? Dass diese Salbung mit der Kraft Gottes eigentlich unabhängig davon laufen, wie unsere Beziehung zu ihm ausschaut. Wenn ich jetzt zurück schaue, muss ich eingestehen, dass meine Beziehung zu dem Herrn nicht immer so genial war. Ich fühle mich heute näher bei ihm und verstehe ihn besser, als zu jener Zeit. Und dennoch sind dort so gewaltige Dinge geschehen. Die Salbung – Gottes Kraft im Fleisch.

Aber wovon ich spreche, bzw.: wovon Obed gesprochen hat, das war nicht die Salbung auf dem Fleisch. Es geht im Gegensatz dazu um die vollmächtige Gegenwart Gottes ohne Fleisch. Versteht ihr? Die Kraft Gottes, die unabhängig vom Fleisch da ist und wirkt und den Menschen berührt. Wo es dann egal ist, ob die Menschen, die da sind, auch wirklich heilig leben oder nicht. Dass Gott einfach immer da ist in seiner Kraft und Gewalt. Seine Gegenwart unter den Menschen.

Was mich an dieser ganzen Geschichte mit David, der Bundeslade und Obed so fasziniert, ist die Frechheit, die David besessen hat. Stellt euch mal vor: Gott hatte Moses doch klipp und klar gesagt, wie das mit der Bundeslade auszusehen hat. Er hatte doch jedes Detail beschrieben. Jeder Zentimeter war angegeben. Jedes Material war beschrieben. Mose konnte keinen Fehler machen. Er hat nur das getan, was Gott ihm gezeigt hat. So hat er diese Stiftshütte gebaut. Und die gab es ja noch zu jenem Zeitpunkt – die gab es in den Tagen von David. Und zwar befand sie sich auf einem Berg, in Gibeon. Dort war sie noch. Die Leviten haben dort weiterhin Opfer gebracht. Sie haben dort weiterhin die ganzen religiösen Rituale durchgeführt. Aber im Allerheiligsten war es nur leer. Weil die Bundeslade nicht mehr da war.

Jetzt sollte man ja annehmen, dass David diese Bundeslade einfach zurückbringt, wo sie eigentlich hingehört: in das Allerheiligste – in die Stiftshütte. Aber das hat er nicht getan. Er hat sie nach Jerusalem gebracht. Das war die Geschichte, wo er da vor allen Menschen in seiner Unterhose getanzt hat - ihr habt das auch schon gelesen – so erfüllt von Freude, dass es ihm egal war, was die Menschen über ihn denken.

Was hat er gemacht? Er hat ein Zelt gebaut, dass viel, viel einfacher war als die Stiftshütte: einfach nur vier Pfosten und ein Tuch, vielleicht auch ein kleines Dach, man konnte fast durchschauen. Und in diesem Zelt war nichts anderes als diese Bundeslade.

Vorher war das ja sehr geheimnisvoll. Die Lade durfte ja keiner sehen außer gelegentlich der Hohepriester. Selbst, wenn sie in der Öffentlichkeit herumgetragen wurde, war eine Decke über sie gelegt. Jetzt steht sie da in so einem halb durchsichtigen Zelt und alle, die vorbeigehen, können sie sehen.

Und er hat noch etwas gemacht, was eigentlich allem widerspricht, was Gott angeordnet hatte: er hat einen vierundzwanzigstündigen Lobpreis angeordnet. Als nämlich endlich die Bundeslade in dieser Hütte in der Stadt Zion aufgebaut wurde, lesen wir, dass er vom ersten Tag an tausende von Menschen ausgebildet hat oder hat ausbilden lassen, um dort einen Non-Stop-Lobpreis durchzuführen. Nach den Geschichtsbüchern muss das zwischen 36 und 40 Jahren passiert sein, also bis Salomon dann an die Macht kam und später den schönen Tempel gebaut hat. Um die vierzig Jahre lang war auf dem Berg Zion non-stop, unaufhörlich, vierundzwanzig Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche Lobpreis. Und zwar gewaltiger, mit viertausend Menschen, die dazu ausgebildet worden. Die haben sich wahrscheinlich in irgendwelche Schichten eingeteilt. Genau weiß ich auch nicht, wie die das gemacht haben. Aber das war non-stop. Und warum? David hatte begriffen, was auch Obed schon verstanden hatte: Wir wollen die Gegenwart Gottes in unserer Mitte erleben. Und wo die Gegenwart Gottes ist, da fließt der Lobpreis. Der kann gar nicht aufhören. Der kann gar nicht versiegen, sondern muss wirklich weitergeführt werden.

In diesen knapp vierzig Jahren sind quasi all die Psalmen entstanden, die wir in unserer Bibel lesen. Da wundert es dann nicht, dass David in manchen Psalmen von den Dienern spricht, die dienen bei Nacht, die Hände heben bei Nacht. Was soll das? Ist doch klar: David hat aus dem Fenster geschaut und da hat er sie gesehen, wie sie da um die Bundeslade herum getanzt haben, die ganze Nacht lang mit erhobenen Händen. Sie haben „Heilig, heilig, heilig ist der Herr“ gesungen. Das hat ihn und die Männer, die verantwortlich waren, inspiriert, die Psalmen zu schreiben.

Das ist etwas, was mich an dieser Geschichte fasziniert, weil es so wenig bekannt ist. Wir lesen in der Apostelgeschichte 15, 16 in einer Rede des Jakobus’ in Jerusalem, als es um ganz wichtige Dinge ging, ein Zitat des Propheten Amos. Jakobus sagt, dass Gott die Hütte Davids wieder aufrichten wird. Leider ist das eine etwas schlechte Übersetzung. Wenn man nämlich das griechische Wort anschaut, ist das keine Hütte, sondern ein Zelt. Viele Menschen haben gedacht, dass es sich bei dieser Hütte – manchmal heißt es sogar „das Haus Davids“ – um ein Geschlecht, nämlich die Nachfahren Davids, handelte. Aber es geht hier wirklich um dieses klägliche Zelt, von dem ich euch erzählt habe. Und der Prophet hat es gesagt, und Jakobus hat es erkannt und in die Mitte hineingelegt, dass eines Tages Gott das Zelt Davids wieder aufrichten wird. Für mich bedeutet das eigentlich nichts anderes als eine Erweckung der Anbetung. Als ein Wiederaufblühen jener Zeiten, wo wirklich nicht nur ab und zu, sondern wirklich vierundzwanzig Stunden am Tag irgendwo der Altar der Anbetung besetzt ist und der Himmel bestürmt wird.

Das zweite, was wir bei diesem Obed lesen, ist, dass er jetzt aufgrund seiner Erfahrung aus der Isolation kam. Seine Vorgeschichte ist ja nicht ganz klar. Was wir von ihm wissen, ist, dass er ein Levit war. Aber er hatte auch einen Nebennamen. Man nannte ihn Obed-Edom von Gath. Wenn ihr die Karte einmal angeschaut habt, seht ihr, dass die Stadt Gath im Philistergebiet liegt. Was macht ein jüdischer Levit bei den Philistern? Wissen wir nicht. Aber er hat offensichtlich etwas gesucht und gedacht: „Wenn ich es nicht in Israel finde, vielleicht finde ich es bei den Philistern. -Wenn ich es nicht in der Gemeinde finde, finde ich es vielleicht in der Welt.“ Und plötzlich kommt er heraus aus der Isolation. Und jetzt gibt es nur noch eines für ihn: „Ich möchte dort sein, wo Gott angebetet wird. Ich möchte in einem Team sein. Ich möchte in einer Gruppe von Menschen sein, denen nichts wichtiger ist, als Gott im Geist und in der Wahrheit anzubeten.“

Wir lesen dann von ihm in 1. Chronik 15, 20, dass er dann auch genannt wird in einer Gruppe von Menschen, die die Harfe gespielt haben. Er hat dann also plötzlich angefangen, Harfe zu lernen. Er wollte Gott wirklich anbeten und hat nach Wegen gesucht, wie er das besser tun kann. Da spielt er dann plötzlich die Harfe. In 1. Chronik 15, 24 lesen wir wieder von Obed, dass er ein „Türhüter“ war. Da gibt es jetzt im Hebräischen ganz verschiedene Worte, die auch in unseren Bibeln ganz verschieden übersetzt werden. Manchmal heißt es „ein Türhüter“, „ein Türwächter“, manchmal sogar einfach nur „ein Träger der Bundeslade“. Aber versteht ihr: er ist jetzt plötzlich nicht mehr einfach nur ein Einzelgänger, der in einem kleinen Dorf so für sich allein lebt, sondern er ist plötzlich mitten drin im Geschehen. Er ist voll drin in der Szene. Er ist da, wo es abgeht. Und er ist mit dabei, die Bundeslade zu tragen, sie zu bewachen.

Und jetzt ist noch etwas sehr Interessantes, was mich eigentlich mehr fasziniert als alles andere: dieser Begriff „Torhüter“ kann auch anders interpretiert werden. Ich habe mir viel Zeit genommen, das auch vom Hebräischen her zu studieren (obwohl ich selbst kein Hebräisch kann. Aber es gibt so schlaue Bücher, da kann man das nachlesen). Dieser Begriff kann auch bedeuten: „eine Tür“. Das würde dann bedeuten, dass Obed eine Tür war. Versteht ihr, worauf ich hinaus möchte? Er war ein Instrument, das dazu beigetragen hat, dass die Herrlichkeit Gottes zu den Menschen kam. Und ich glaube, das ist der Auftrag der Gemeinde Jesu, kollektiv und individuell. Wir sind das Tor für die Welt, Gott zu sehen, Gott zu erfahren und zu spüren. Deswegen bin ich jetzt auch an einem Punkt in meinem Leben, wo ich davon überzeugt bin, dass der Lobpreis nicht nur in unserem Gemeindesaal stattfinden muss, sondern draußen auf der Straße. Wir sind dabei, den Lobpreis hinauszutragen in die Slums. Wir sind dabei, den Lobpreis hinauszutragen in die Stadt. Früher habe ich immer gedacht: „Ja, aber die Menschen verstehen ja nicht, was wir da machen.“ Sie mögen es nicht verstehen. Aber sie spüren, wenn wir die Tür öffnen und der Wind des Geistes beginnt zu wehen. Genau wie ich damals den Heiligen Geist gespürt habe, als ich an diesen Jesus-Peoples vorbeigelaufen bin.

Und so habe ich jetzt etwas entdeckt für mein eigenes Leben, was eigentlich auch meinen Dienst auf den Kopf gestellt hat. Wenn ich so zurückschaue auf die zweiundreißig Jahre, in denen ich Jesus gedient habe, dann habe ich vieles gemacht. Hauptsächlich gelehrt, aber ich habe auch Anbetung geleitet. Ich habe evangelisiert. Ich habe vieles gemacht. Neun Jahre bin ich in Deutschland Pastor gewesen. Wenn ihr mich jetzt fragt: „Was ist dein größtes Ziel? Was tust du am allerliebsten?“, dann ist die Antwort ganz, ganz einfach: „Ich möchte ein Türhüter sein. Ich möchte einer von denen sein, die Gott gebrauchen kann, seine Gegenwart zu den Menschen zu bringen.“

Wie das praktisch ausschaut, ist eigentlich uninteressant. Ob das hier in Deutschland ist oder in Asien, oder sonst irgendwo… Es gibt keinen höheren Dienst, versteht ihr? Es tut mir so weh, wenn ich sehe, wie falsch verstanden die Anbetung manchmal auch in den Gemeinden wird. Für viele ist das immer noch ein religiöser Akt, den man durchziehen muss, weil das dazu gehört. Und manche kommen vielleicht auch bewusst ein bisschen zu spät, weil das der Teil vom Gottesdienst ist, der einem am wenigsten bringt. Die Predigt, ja, die möchte man gern hören. Aber das Singen am Anfang, - muss das überhaupt sein? Ich denke, Gott muss auch da unser Herz korrigieren und verändern. Wenn wir jetzt das, was wir zum Beispiel im Gottesdienst miteinander tun, definieren, dann ist es doch ganz klar: Die Predigt ist nicht für Gott, die ist für uns. Die Fürbitte ist nicht für Gott, die ist für uns. Die Gemeinschaft, die wir pflegen, die ist nicht für Gott. Die ist für uns. Was ist dann eigentlich am Gottesdienst Gottesdienst? Nur das eine: die Anbetung. Das ist das Einzige, das wir für ihn tun.

Und das bezieht sich auf alles, was wir in diesem Leben für ihn tun. Der Tag wird kommen, wo wir nicht mehr evangelisieren werden. Wir werden nicht mehr predigen, nicht mehr beten, nicht mehr missionieren. Keine Seminare mehr, keine Bibel lesen. Aber eins werden wir immer tun: Gott anbeten. Auf immer und immer. Von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und ich denke, wir sollten uns daran gewöhnen. Wenn es dir hier Mühe bereitet, dann stell’ dir mal die Ewigkeit vor.

Aber wir tun es ja nicht nur, damit wir es tun. Wir tun es, weil wir dadurch die Tür öffnen für Gottes Gegenwart hier auf dieser Welt. Und das ist die Gegenwart Gottes, die Dinge verändert. Es ist sein Wirken, auch heute noch, das Leben verändert. Ich persönlich glaube an Seelsorge. Ich glaube an Fürbitte. Ich glaube an gewisse geistliche Prozesse, die uns helfen, in unserem christlichen Glauben weiter zu kommen. Aber es gibt keinen Ersatz für ein paar Minuten der Gegenwart Gottes in unserem Herzen.

Das war das, was mich am allermeisten berührt hat. Ich habe es bereits am Freitag oder irgendwann erzählt, dass der Heilige Geist so stark auf die Gemeinde in Kambodscha gefallen war. Da hat er innerhalb weniger Stunden und Tage innere Heilung gebracht in das Leben von Menschen, die so Grausames erlebt haben, das kann ich gar nicht erklären. Menschen, die wirklich mit ansehen mussten, wie ihre Kinder hingemetzelt wurden vor ihren Augen. Menschen, die Dinge erlebt haben, die wir uns nicht vorstellen können. Das sind Dinge, die kannst du durch ein Leben von Seelsorge nicht korrigieren. Und dann kommt Gott und bläst sie an. Dann kommt Gott und berührt sie mit seinem kleinen Finger. Da kommt Gott, spricht ein Wort in ihr Herz und sie sind verändert, sind geheilt, sind eine neue Kreatur. Sie können das Alte hinter sich lassen. Sie können den Groll vergessen. Sie können die Angst vergessen. Sie können auch die Wut in ihren Herzen vergessen. Und den Hass. Sie können lieben, sogar ihre Feinde lieben. Das kann nur geschehen, wenn Gott wirklich spürbar in unsere Mitte kommt.

Was mich dabei so berührt ist: er möchte das ja. Er will das. Wir behandeln ihn so wie den Vater in einer geschiedenen Ehe. „Herr, du bekommst Besucherrechte. Sonntag darfst du kommen. Von fünf bis sieben. Und vielleicht dann auch noch an irgendeinem anderen Tag. Aber der Rest der Woche gehört dir nicht. Der gehört uns.“

Die von euch, die selbst Väter sind, die verstehen, was ich meine. Wir Väter möchten bei unseren Kindern sein. Ich bin jetzt seit elf Tagen von Zuhause weg und es wird jeden Tag schlimmer. Ich möchte nach Hause. Ich möchte zu meinen Kindern. Ich möchte zu meiner Frau. Das ist doch normal. Und glaubt ihr nicht, dass der Vater im Himmel das auch möchte? Er möchte keine Besucherrechte. Er möchte Wohnrecht bei uns. Ein Wohnrecht, vierundzwanzig Stunden am Tag und jeden Tag unseres Lebens. Und es liegt an uns, ob er das bekommt oder nicht. Es liegt wirklich an uns. Und so ist es notwendig, dass wir so eine Erfahrung auch mitmachen, wie dieser Obed. Wenn wir wirklich spüren, dass Gott uns einmal berührt hat, dass wir dann tun, was immer geschehen muss, damit wir dort sind, wo die Bundeslade ist.

Wir als Gemeinde sind wirklich das Tor für die Gegenwart Gottes in dieser Welt. Das, was dem Obed passiert ist, kann mir passieren, das kann dir passieren.

Ich möchte, dass ihr jetzt einfach kurz zurück denkt an einen Zeitpunkt in eurem Leben, wo ihr Gott bereits erlebt habt. Aber dann möchte ich, dass ihr aufhört, diese Dinge zu denken. Und dann wünsche ich, dass ihr nach vorn schaut und euch selbst in eine Position bringt, wo ihr nicht nur das, was ihr schon einmal erlebt habt, noch einmal erlebt, sondern wo ihr wirklich ein Leben mit Gott lebt, wo er ständig bei euch ist.

Natürlich ist er das. Die Bibel sagt uns das. Aber wie oft stehen wir doch verlassen da und wissen nicht, was er von uns möchte. Bei meinen Gesprächen mit Menschen, wenn ich unterwegs bin, kommt immer das gleiche zum Vorschein: „Ich liebe Gott, ich will ihm dienen, aber ich weiß nicht, wie. Ich höre seine Stimme nicht. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich möchte ihm dienen, aber ich kann es nicht.“ Und dann versuchen wir, dieses Vakuum auszufüllen durch alle möglichen religiösen Übungen. Wir vergessen, dass die Antwort doch so einfach ist: Wenn ich mich ihm nähere, dann nähert er sich mir. Und wenn wir nahe sind, dann hören wir einander. Versteht ihr? Dann spüre ich, was er will. Dann spüre ich seinen Herzschlag. Dann höre ich auch das Flüstern seines Mundes. Dann wird plötzlich sein Wille zu meinem Willen. Dann werden plötzlich meine Gedanken zu seinen Gedanken.

Das ist doch die Einheit und die Jesus beschreibt, die so mystisch klingt: dass er und sein Vater eins ist und wir sind eins mit ihm. Das ist doch so ein Durcheinander, dass man sich nicht mehr auskennt. Wer ist jetzt eins mit wem? Aber das ist genau das, was Obed verstanden hat: dort sein, wo Gott ist, bedeutet doch, eins sein mit Gott. Das löst so viele unserer Probleme. Und das hilft uns zu hören und zu erkennen, was Gott in unser Leben hinein spricht. Das hilft uns, Entscheidungen zu treffen, die wirklich nach seinem Willen sind. Das hilft uns, Gefühle zu fühlen, die auch er fühlt. Dann geschieht es plötzlich, dass wir die Armen sehen und das Mitleid spüren, das er verspürt. Es kommt über uns. Wir können uns dem dann nicht mehr entziehen. Es kommt einfach. Und dann brauchst du dich nicht mehr verkrampfen: „Ich muss die Armen liebe, ich muss die Armen lieben“, sondern du tust es. Es fließt aus dir heraus wie Ströme lebendigen Wassers. Du kannst nicht anders. Du musst sie lieben. Du musst die Verlorenen lieben. Du brauchst dich nicht verkrampfen und anzustrengen. Es geschieht automatisch, weil dein Herz und sein Herz plötzlich so nahe beieinander schlagen, die Einheit da ist, die unser ganzes Leben bestimmt, unser Denken und Handeln.

David hat das auch schon gesagt in Psalm 84, 10: Ich bin doch viel lieber ein Torhüter im Haus des Herrn. Er war doch König. Er hatte Macht. Er war ein Kämpfer. Er war erfolgreich in so vielen Dingen. Und er hat dieses Geheimnis auch erkannt. Wenn wir das anders übersetzen, hat er gesagt: Ich will lieber eine Tür sein für Gott.

Und das ist jetzt meine Frage an euch hier heute Abend. Wollt ihr eine Tür sein? Wollt ihr zu einer Tür werden? Als Gemeinde für diese Stadt, aber auch als einzelne Menschen?

Was wir aus dieser Geschichte vom Obed noch ganz klar heraushören, ist die Tatsache, dass die Gegenwart Gottes zuerst in die Familie kam. Sie war erst im Heim und kam dann erst in die Gemeinde. Die Reihenfolge ist sehr bezeichnend. Wir beklagen uns oft über schwache Predigten und schwache Gottesdienste, und kritisieren die, die etwas versucht haben zu bringen. Und vergessen dabei, dass der Grund vielleicht bei uns liegt. Haben wir die Gegenwart in unseren Familien und Häusern, in unseren Wohnungen? Beten wir Gott zu Hause an oder nur, wenn wir hier am Sonntag erscheinen? Leben wir wirklich in einer Gemeinschaft mit ihm auch unter der Woche? Oder erst dann, wenn wir spüren, jetzt ist die Zeit, um religiös zu sein? Ich glaube, Gott möchte heute Menschen berufen zu diesem Türdienst. Wie das praktisch aussieht, weiß ich auch nicht. Ich weiß nur, was Obed gemacht hat: Er hat sich so verändert, dass er dort war, wo er eine Tür sein konnte. Das kann ganz gravierende Auswirkungen auf dein Leben haben. Muss nicht heißen, dass du umziehen musst, wie der Obed das getan hat. Muss nicht heißen, dass du weg musst von Hamburg. Muss nicht heißen, dass du eine neue Gemeinde suchen musst. Aber es heißt, dass du dir Gedanken machen musst und im Gebet darum ringen musst: wo kann ich Gott finden und wie kann ich leben, damit ich zu solch einer Tür werde für die Menschen um mich herum - Christen oder Nichtchristen, spielt keine Rolle.

Ich habe zwar noch so einiges auf meinem Blatt hier, aber ich möchte jetzt eigentlich schließen. Ich hoffe, dass der Gedanke, den ich weitergeben wollte, irgendwie durchgedrungen ist zu euch. Ich denke, es liegt jetzt an euch als Gemeinde, wie auch als einzelne, jetzt wirklich herauszufinden: Was heißt das jetzt praktisch für mich? Heißt das, ich muss den ganzen Tag nur singen? Heißt das jetzt, ich muss noch mehr in der Bibel lesen und noch mehr beten? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Es geht in erster Linie nicht um das, was wir tun. Es geht um unsere Herzenshaltung. Da muss es beginnen.

Und was wir heute tun können, und was ich jetzt zum Abschluss auch tun möchte, ist, darum zu bitten, dass Gott kommt, mit einem solchen Hunger und mit solch einem Verlangen, dass euch dieser Hunger und dieses Verlangen zeigen wird, was ihr persönlich tun müsst oder sollt, damit ihr näher in die Gemeinschaft mit Gott findet. Lasst uns doch gemeinsam aufstehen. Ich möchte einfach jetzt ein Gebet sprechen und den Herrn einladen und dann möchte ich noch in eine ganz kurze Zeit der Anbetung leiten und einfach erwarten, dass Gott dem ein oder anderen jetzt Antworten schenkt. Ich weiß, ich habe in euren Herzen viele Fragen aufgerissen. Ich habe auch nicht die Zeit gehabt, alles so zu erklären, dass jetzt alles bei jedem klar ist. Aber ich bin überzeugt davon, dass, wenn der Heilige Geist kommt, dass er viele dieser Fragen in euern Herzen beantworten wird.

 

  
 
Startseite Wir über uns Hauskreise Predigtarchiv ge-m@il.de Termine Links